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Badeseen-Saison: Warum blondes Haar im Sommer grün wird

Nicht das Chlor färbt. Es ist Kupfer, und es lässt sich mit zwei Minuten Vorbereitung am Beckenrand weitgehend verhindern.

Nasse blonde Haarstraehne mit Wassertropfen im Gegenlicht vor dunklem Hintergrund, glaenzende Oberflaeche
KI-generiertes Bild

Es gibt einen Berliner Sommerrhythmus, der sich jedes Jahr wiederholt: Ab Mitte Juni verlagert sich das halbe Neukölln nach Feierabend an die Freibäder und an die Seen im Umland, und ab Anfang Juli sitzen in den Salons rund um Weserstraße und Sonnenallee die Leute mit derselben Frage. Das Blond, im Mai noch kühl und sauber, hat einen Stich ins Grünliche bekommen.

Die verbreitete Erklärung lautet: Chlor. Die ist falsch. Jedenfalls in dem Sinne, in dem sie gemeint ist.

Chlor ist der Türöffner, nicht der Farbstoff

Chlor färbt nicht grün. Was es tut, ist zweierlei: Es wirkt oxidierend und trägt zur weiteren Aufhellung bereits blondierter Längen bei, und es raut die Schuppenschicht auf. Damit macht es das Haar aufnahmefähiger.

Der eigentliche Farbstoff ist Kupfer. Kupferionen gelangen ins Wasser, aus Leitungen, aus Armaturen, aus Algiziden zur Algenbekämpfung. Sie lagern sich an der Haaroberfläche und in porösen Bereichen des Haarschafts an und erzeugen dort grünliche Metallkomplexe.

Entscheidend ist deshalb die Porosität. Naturhaar mit intakter Schuppenschicht nimmt kaum etwas auf. Aufgehelltes Haar hat eine geöffnete, teilweise beschädigte Oberfläche und ist deutlich saugfähiger, genau deshalb trifft es fast ausschließlich blondiertes und stark aufgehelltes Haar. Und es trifft die Spitzen stärker als den Ansatz, weil sie älter und poröser sind.

Übrigens: Seewasser ist nicht automatisch der bessere Deal. Auch dort finden sich Metallionen, dazu kommen Huminstoffe, die eigene Verfärbungen erzeugen können. Und Sonne wirkt in beiden Fällen: UV-Strahlung baut Tonerpigmente ab und verstärkt jeden Unterton.

Die wirksamste Maßnahme dauert zwei Minuten

Die Physik dahinter ist banal: Trockenes, poröses Haar saugt. Wer mit trockenem Haar ins Wasser geht, lässt es genau das tun.

Deshalb, vor dem Sprung ins Wasser:

Haar mit Leitungswasser durchnässen. Ein bereits mit unbelastetem Wasser vollgesogenes Haar kann deutlich weniger Beckenwasser aufnehmen. Das ist der einfachste und wirksamste Schritt, und in jedem Freibad gibt es eine Dusche davor.

Eine Leave-in-Pflege oder etwas Conditioner in die Längen geben. Sie legt einen Film über die Oberfläche und wirkt als physikalische Barriere. Nicht ausspülen.

Wenn möglich: Badekappe. Die unelegante Lösung mit der besten Wirkung. Für einen ganzen Tag am Wasser sinnvoller als jede Reparatur danach.

Nach dem Baden zügig ausspülen. Je länger belastetes Wasser im Haar trocknet, desto mehr lagert sich an. Auch eine kurze Süßwasserspülung an der Dusche ist besser als nichts.

Wenn der Grünstich schon da ist

Der wichtigste Punkt zuerst: Ein violettes Silbershampoo hilft hier nicht. Violett neutralisiert Gelb. Der Gegenspieler von Grün auf dem Farbkreis ist Rot. Wer gegen einen Grünstich mit Silbershampoo arbeitet, macht das Haar allenfalls stumpfer.

Was tatsächlich greift:

Chelatbildende Shampoos. Sie enthalten Substanzen wie EDTA-Verbindungen, Phytinsäure oder Gluconate, die Metallionen komplexieren, also binden, und ausspülbar machen. Sie sind das fachlich korrekte Werkzeug gegen metallbedingte Verfärbung und werden auch nach dem Sommer gern vor einer Coloration eingesetzt, damit die Farbe gleichmäßig aufzieht.

Ein Toner mit rötlich-warmer Ausrichtung, im Salon. Er neutralisiert optisch, was nach der Chelatbehandlung noch übrig ist. Diese Korrektur gehört in fachliche Hände, weil Menge und Einwirkzeit über das Ergebnis entscheiden.

Was Sie lassen sollten: Hausmittel mit Zitronensaft, Backpulver, Cola oder Tomatenmark. Sie sind entweder stark sauer, stark alkalisch oder schlicht wirkungslos, und poröses Haar ist der falsche Ort für Experimente mit pH-Extremen.

Was der Sommer sonst mit aufgehelltem Haar macht

UV-Abbau. Sonnenlicht zerlegt sowohl das verbliebene Naturpigment als auch die Pigmente des Toners. Das Blond wird über die Wochen wärmer und gelblicher. Das ist der Normalfall, kein Fehler des Salons.

Austrocknung. Salz, Chlor, Sonne und Wind entziehen Wasser und Lipide. Poröses Haar verliert beides schneller. Eine Leave-in-Pflege mit Feuchthaltemitteln und etwas Lipidanteil ist im Sommer kein Luxus.

Mechanik. Trockenes, salziges Haar am Abend durchzukämmen ist die häufigste Ursache für Bruch in der Badesaison. Erst durchspülen, dann pflegen, dann kämmen, in dieser Reihenfolge.

Ein praktischer Sommerhinweis für alle, die stark aufgehellt sind: Legen Sie den Termin für eine Auffrischung des Toners eher an das Ende der Badesaison als an den Anfang. Ein frisch getontes Blond im Juni ist eine Investition, die im Wasser sehr schnell an Wert verliert.

Was Salzwasser und Seewasser jeweils anrichten

Die drei Wasserarten belasten unterschiedlich, und die Gegenmaßnahmen unterscheiden sich entsprechend.

Chloriertes Beckenwasser. Oxidativ wirksam, hellt bereits blondiertes Haar weiter auf und raut die Oberfläche an. In Kombination mit Metallionen die Hauptursache für Grünstich. Wichtigste Maßnahme: vorher durchnässen, hinterher zügig ausspülen, gelegentlich chelatbildend waschen.

Salzwasser. Salz entzieht dem Haar über Osmose Wasser und lässt es nach dem Trocknen steif und aufgeraut zurück. Salzkristalle in der Schuppenschicht wirken zusätzlich als Schleifpartikel, deshalb bricht Haar nach Strandtagen besonders leicht beim Kämmen. Maßnahme: gründlich ausspülen, bevor es trocknet, und eine Leave-in-Pflege einarbeiten.

Seewasser. In stehenden Gewässern kommen Huminstoffe und Algenbestandteile hinzu, die eigene Verfärbungen erzeugen können, dazu je nach Gewässer ebenfalls Metallionen. Die Belastung ist meist geringer als im Becken, aber nicht null.

Für alle drei gilt derselbe Kernsatz, und er ist der einzige, den man sich merken muss: Nicht trocknen lassen, was ins Haar gelangt ist. Was verdunstet, hinterlässt seine gelösten Bestandteile im Haar. Was ausgespült wird, geht mit dem Wasser wieder heraus.

Häufige Fragen

Bekommt auch naturblondes Haar einen Grünstich? Selten und deutlich schwächer. Intakte Schuppenschicht bedeutet geringe Aufnahmefähigkeit. Betroffen ist fast ausschließlich chemisch aufgehelltes oder stark strapaziertes Haar.

Reicht normales Shampoo nach dem Schwimmen? Für Salz und Sand ja, für angelagerte Metallionen nicht. Reguläre Tenside entfernen Fett und Schmutz, aber sie binden keine Metalle. Dafür braucht es einen Chelatbildner.

Wie oft darf ich ein chelatbildendes Shampoo verwenden? Es ist ein Werkzeug, kein tägliches Shampoo. Punktuell eingesetzt (nach einem Badetag, vor einem Farbtermin) ist es sinnvoll. Dauerhaft angewendet trocknet es aus, weil es auch andere Auflagerungen abträgt.